"Identität ist keine Figur – sie ist Verdichtung…"

 

"Ich benutze Farbe nicht – ich verhandle mit ihr…"

 

 

Olis Arbeiten stehen für eine eigenständige malerische Position zwischen expressiver Abstraktion und Figuration.

 

Er entwickelt großformatige Malerei als begehbaren Wahrnehmungsraum, in dem das Bild nicht nur Oberfläche, sondern physische Erfahrung wird. Sie verschieben den Blick vom distanzierten Betrachten zur unmittelbaren Präsenz.

 

Seine Arbeiten verbinden biografische Konsequenz mit emotionaler Intensität und zeigen eine kontinuierliche Entwicklung, die nicht stilistisch kalkuliert, sondern existenziell motiviert ist.

 

Oli lebt und arbeitet in Berlin.

 

"Mein Stil entsteht nicht als Ziel – sondern als Ergebnis beharrlicher Auseinandersetzung…"

 

Olis Werke zeichnen sich durch eine radikal vielschichtige Oberfläche aus. Was zunächst abstrakt erscheint, beginnt sich beim längeren Hinsehen zu öffnen: Figuren tauchen auf, Räume entstehen, emotionale Landschaften formen sich – nur um sich wieder zu wandeln.

Gegensätze verdichten sich zu produktiver Spannung. Diese Verschiebung der Wahrnehmung zieht hinein und lädt ein, Identität, Erinnerung und Veränderung zu erforschen.

Schicht um Schicht entsteht eine Bildwelt zwischen Figuration und Abstraktion, in der Farbe nicht ornamental wirkt, sondern als Handlung erfahrbar wird.

Seine Malerei operiert jenseits linearer Erzählung und integriert Sprache als visuelle Spur im Bildraum.

Bevor Oli sich der Malerei zuwandte, arbeitete er intensiv mit Gedichten - Sprache war sein erstes Medium der Verdichtung und ist bis heute die strukturelle Grundlage seiner Praxis.

Fragmentierung, Rhythmus und Reduktion prägen seine Arbeitsweise. Die Malerei ist keine Illustration von Text, sondern physische Fortführung struktureller Prinzipien.

Oli erforscht die Polaritäten des Lebens: Nähe und Distanz, Individuum und Gemeinschaft, Freude und Trauer, Selbstbestimmung und Abhängigkeit, Lust und Schmerz, Ordnung und Chaos, Kontrolle und Kontrollverlust. Er arbeitet konzentriert und zugleich intuitiv. Er setzt Impulse – und reagiert auf die Ambivalenz, die entsteht.

 

"Ich untersuche, wie Kontrolle Realität konstruiert – und wie Zerstörung sie offenlegt…"

 

Ergänzend zu seinen großformatigen Arbeiten zwischen anderthalb und drei Metern entstand die Serienstruktur "The Weeklys" – kleinere Werke von 50 × 40 cm, die in Phasen der Neuorientierung entstehen und integraler Bestandteil seiner fortlaufenden Praxis sind.

Paul Olivier (*1972), von allen Oli genannt, wirkte zunächst als Hotelier, Filmproduzent und Marketingberater. An seinem 50. Geburtstag traf er die Entscheidung, seine zweite Lebenshälfte der Malerei zu widmen.

Diese Dringlichkeit ist spürbar. Hier malt niemand aus Laune heraus, sondern aus innerer Notwendigkeit. Oli ist kein später Anfänger, sondern ein Künstler, der zur richtigen Zeit ankommt – mit Klarheit, Tiefe und Konsequenz aus gelebter Erfahrung.

Seine Werke sind keine Behauptungen, sondern Auseinandersetzungen. Abstraktion bedeutet hier nicht Entfernung von Realität, sondern Konzentration auf ihre strukturellen Kräfte. Schönheit ist hier keine Oberfläche, sondern unmittelbare Erfahrung.

 

Michael Thiede - 2025 Paul Oliviers erster Galerist - im Gespräch mit Oli über seine Reise zwischen Transformation und Abstraktion:

Michael Thiede:

Oli, ich erinnere mich noch gut an unsere ersten Gespräche. Mich hat sofort interessiert, wie früh deine Beziehung zur Kunst begonnen hat. Wenn du zurückblickst: Wo liegen deine künstlerischen Wurzeln?

 

 

Paul Olivier:

Zur Malerei bin ich nicht über den klassischen Weg gekommen. Jahrelang war Sprache mein Medium – ich habe Gedichte geschrieben, bis Worte nicht mehr ausreichten. Malerei wurde notwendig: direkt, körperlich, kompromisslos. 

 

 

Michael Thiede:

Und dennoch bist du diesen Weg lange nicht konsequent gegangen. 

 

 

Paul Olivier:

Die Malerei war immer da, aber sie war kein Lebensweg. Ich habe Jobs gemacht, studiert, mich angepasst – alles, was ein „vernünftiges“ Leben versprach. Aber die innere Spannung blieb, und irgendwann musste ich ihr folgen.

 

 

Michael Thiede:

In deiner Jugend verlagerte sich dieser kreative Drang zunächst in einen anderen Bereich: die Mode.

 

 

Paul Olivier:

Mode war faszinierend, weil sie Identität transformiert. Sie zeigte mir früh, wie äußere Form und inneres Empfinden zusammenhängen. Dieses Spiel mit Wahrnehmung, Veränderung und Selbstbild zieht sich bis heute durch meine Malerei.  

 

 

Michael Thiede:

Dennoch folgte dann ein sehr klassischer beruflicher Weg. 

 

 

Paul Olivier: 

Ich lernte Hotelkaufmann, später war ich Start-Up-Filmproduzent, dann Werbe- und Marketingberater. Kreativ, aber fremdbestimmt.

 

Die Kunst hatte keinen Raum, bis ich erkannte, dass ich ihr den Vorrang geben musste.  

 

 

Michael Thiede: 

Diese innere Spannung scheint ein zentrales Motiv deiner Arbeit zu sein. 

 

 

Paul Olivier:

Polaritäten begleiten mich: Freiheit vs. Anpassung, Licht vs. Schatten, Kontrolle vs. Loslassen. Lange habe ich versucht, sie auszuhalten. Heute trete ich ihnen an der Leinwand entgegen und lasse sie existieren.

 

 

Michael Thiede:

Der Wendepunkt kam an deinem 50. Geburtstag.

 

 

Paul Olivier:

Ja. Ich entschied an diesem Abend, meine zweite Lebenshälfte der Malerei zu widmen. Relativ impulsiv und radikal, aber aus der Erkenntnis, dass es der einzige Weg ist, mir selbst treu zu bleiben. Alles andere wäre weitere Vermeidung gewesen.

 

 

Michael Thiede: 

Deine Bilder bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion. Wie findest du diese Balance?

 

 

Paul Olivier: 

Ich plane subliminar. Figuratives gibt Halt, Abstraktion öffnet Räume. Es geht nicht um eindeutige Antworten, sondern um Ambivalenz. Der Dialog zwischen inneren und äußeren Kriterien und Optionen. Das Leben ist nicht eindeutig – warum sollte meine Kunst es sein?

 

 

Michael Thiede:

Ein zentrales Thema deiner Arbeiten ist die Bipolarität des Lebens.

 

 

Paul Olivier:

Ich verstehe sie existenziell, nicht klinisch. Gegensätze wie Freude und Trauer, Nähe und Distanz, Angst und Glück gehören zusammen. Sie machen uns menschlich - und meine Arbeit ist eher die Suche nach der realistischen Wunsch- und Real-Position zwischen diesen Polaritäten in dem jeweiligen Kontext. In meinen Bildern entstehen sie parallel und verschränken sich, ohne dass ich sie auflöse.

 

 

Michael Thiede: 

Was wünscht du dir für die Betrachter deiner Werke?

 

 

Paul Olivier:

Sie sollen innehalten und etwas Eigenes darin finden. Die Arbeiten sind Räume für Wahrnehmung, Identität und Veränderung. Wer stehenbleibt, erlebt die Wirkung. Ich möchte erinnern: das Leben ist schön – trotz allem.

 

 

Michael Thiede:

Deine Werke erschließen sich oft erst mit der Zeit. 

 

 

Paul Olivier:

Ich mag Arbeiten, die sich verändern, je länger man sie betrachtet – so wie wir Menschen uns verändern. Schönheit ist lebendig, nicht glatt oder perfekt. 

 

 

Michael Thiede:

Wenn man deinen Weg betrachtet - vom Kaufmann über den Produzenten und Berater zum Maler - ist es auch eine Geschichte des Mutes. 

 

 

Paul Olivier:

Vielleicht. Vor allem ist es eine Geschichte des Zuhörens. Irgendwann habe ich aufgehört, nur den Erwartungen anderer zu folgen, und begonnen, mir selbst zuzuhören. Die Malerei ist für mich nicht nur Ausdruck, sondern auch Selbstfindung.

 

 

Michael Thiede:

Vielen Dank für das Gespräch Oli.

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© 2026 Paul Olivier (Oli) is a Berlin-based contemporary abstract painter known for large-scale expressive paintings and his Weekly series