Als bei Paul Oliviers erster Ausstellung 2025 auch die wenigen kleineren Formate schnell vergriffen waren, wurde sein Galerist gefragt, ob es nicht möglich sei, eine Warteliste für diese Arbeiten anzulegen. Diese Nachfrage war kein Zufall. Sie zeigte ein Bedürfnis nach Unmittelbarkeit.
Nicht jeder verfügt über den Raum für großformatige Malerei. Nicht jedes Budget erlaubt große Leinwände. Aber viele wollten einen Teil dieser Arbeit besitzen - nicht als Ersatz, sondern als Essenz.
Die Weeklys antworten auf dieses Bedürfnis, ohne sich ihm zu unterwerfen. Sie sind kein "kleines Produkt", sondern eine ernsthafte Erweiterung des CEuvres. Vielleicht ist das Entscheidende an den Weeklys ihre Nähe. Nähe zum Prozess. Nähe zur Entscheidung. Nähe zum Künstler selbst.
Was Oli hier gelingt, ist selten: Er öffnet seine Arbeit, ohne sie zu vereinfachen. Die Weeklys sind zugänglich, aber nicht gefällig. Sie sind offen, aber nicht erklärend. Sie verlangen Aufmerksamkeit - und belohnen sie. Gerade darin liegt ihre Qualität. Sie ermöglichen einen Einstieg, ohne den Kern zu verraten.
Was diese Serie so außergewöhnlich macht, ist ihr Ursprung. Die Weeklys entstehen nicht aus Sicherheit, sondern aus Unsicherheit. Sie entstehen genau dann, wenn Oli bei der Arbeit an seinen großformatigen Leinwänden ins Stocken gerät. Wenn der nächste Schritt nicht klar ist. Wenn sich Fragen auftürmen, statt Antworten.
Viele Künstler versuchen, solche Momente zu überspielen oder zu verdrängen. Oli hingegen nutzt sie. Er erkennt in ihnen kein Scheitern, sondern eine notwendige Option. Zweifel ist für ihn kein Gegner, sondern Indikator. Ein Signal dafür, dass etwas auf dem Spiel steht.
In diesen Momenten greift er zu kleineren Leinwänden. Nicht, um "Pause" zu machen, sondern um weiter zu arbeiten - anders. Die Weeklys sind keine Flucht aus dem großen Werk, sondern ein Umweg, der zurückführt.
In einer Kunstwelt, die oft nach Lautstärke verlangt, arbeiten diese Bilder mit Konsequenz und Ruhe. Sie zeigen, dass Wiederholung kein Stillstand ist, sondern Vertiefung. Und das Nähe - zum Material, zum Prozess, zum eigenen Denken - vielleicht die radikalste Haltung ist, die ein Künstler heute einnehmen kann.
Ein weiterer zentraler Aspekt dieser Serie ist das Zusammenspiel von Intuition und Reflexion. Die kleineren Formate erlauben schnelle, intuitive Entscheidungen. Gleichzeitig sind sie eingebettet in einen hochreflektierten Gesamtprozess. Oli weiß um die Bedeutung dieser Arbeiten, um ihre Funktion und um ihren Platz innerhalb des Gesamtwerks.
Wer Paul Olivier - den alle, die mit ihm arbeiten, schlicht Oli nennen - in seinem Atelier erlebt, versteht schnell, dass seine Malerei kein Ergebnis planbarer Abläufe ist. Sie entsteht aus Bewegung, aus körperlicher Präsenz, aus einem permanenten Dialog mit seinen Gedichten und zwischen Material, Intuition und Zweifel. Nichts an dieser Arbeit ist dekorativ gemeint, nichts gefällig. Und doch - oder gerade deshalb - entwickelt sie eine eigentümliche Sogwirkung, die sich dem Betrachter nicht aufdrängt, sondern ihn hineinzieht.
Die Weeklys sind vielleicht der direkteste Zugang zu diesem inneren Arbeitsprozess. Sie sind keine Reduktion seines großformatigen Gesamtwerks, sondern dessen konzentrierte Essenz. Wer glaubt, hier lediglich "kleine Bilder" zu sehen, verkennt ihre Bedeutung. Tatsächlich sind sie so etwas wie das Nervensystem seiner Malerei: empfindlich, reaktionsschnell, offen - und absolut notwendig.
Oli spricht selbst davon, dass ihn das Prinzip von Signature Dishes oder Signature Drinks fasziniert. Ein einziges Gericht, ein einzelnes Getränk, das genügt, um eine Küche, eine Bar, eine Haltung wiederzuerkennen. Dieser Gedanke ist für ihn kein Marketingkonzept, sondern ein künstlerisches Ideal. Nicht im Sinne eines Logos, sondern als Ausdruck von der Konsequenz in seiner Haltung.
Auch in seiner Malerei geht es um Wiedererkennbarkeit - jedoch nicht um Wiederholung. Denn es geht darum, dass eine Handschrift entsteht, weil sie entstehen muss. Weil sie sich aus der Art ergibt, wie Oli mit Farbe umgeht, wie er sie mischt, bricht, kratzt, schiebt, wieder abträgt. Diese Handschrift ist nicht erlernt, sie ist erarbeitet. Und sie ist nie abgeschlossen.
Die Weeklys sind der Ort, an dem diese Handschrift besonders deutlich sichtbar wird. Hier gibt es keinen Raum für Ablenkung. Keine große Geste hinter der man sich verstecken könnte. Jede Spur zählt.
Die kleinere Leinwand verändert alles. Sie erlaubt Schnelligkeit, Risiko. Spontane Entscheidungen. Oli experimentiert hier mit Farbmenge, Farbtemperatur, Druckverteilung. Er testet, verwirft, überlagert. Nichts muss perfekt sein, aber alles muss in seinem Kontext stehen.
Diese Arbeiten tragen eine enorme Dichte in sich. Vielleicht weil es wirkt, als seien sie nicht "zu Ende gedacht". Denn tatsächlich sind sie gedacht im Tun. Man spürt in ihnen eine Freiheit, die nur dort entstehen kann, wo nichts bewiesen werden muss. Gleichzeitig sind sie hochkonzentriert. Jede Bewegung hat Konsequenzen. Jede Entscheidung bleibt sichtbar.
Oli behandelt Farbe nicht als Mittel zum Zweck. Farbe ist für ihn ein eigenständiger Akteur. Sie widersetzt sich, sie reagiert, sie verlangt nach Handlung. Das Mischen, Brechen und Kratzen ist kein Effekt, sondern ein Dialog mit den unterschiedlichen Ebenen seiner Geschichten. Ein manchmal rauer, manchmal überraschend sanfter Austausch zwischen abstrakten und figurativen Motiven, die miteinander in Beziehung treten und sich auch auf die Weeklys überträgt.
In den Weeklys ist diese Beziehung besonders unmittelbar. Der begrenzte Raum zwingt zur Klarheit. Die Farbtemperaturen geraten in Spannung zueinander. Warme Flächen werden von kühlen unterbrochen, ruhige Zonen von aggressiveren Eingriffen gestört. Harmonie entsteht hier nicht aus Ausgleich, sondern aus der Reibung zwischen Antagonist und Protagonist seiner Geschichtsstränge.
Dass diese Arbeiten wöchentlich entstehen, ist kein Zufall. Tatsächlich mag Oli die amerikanische Idee von "A Painting a Day", bei der sich Künstler ohne Galerie mit sehr kleinen täglichen Arbeiten finanziell über Wasser halten und sich darüber hinaus täglich zur Arbeit zwingen.
Dieser Rhythmus ist Teil seiner Idee. Jede Woche bringt andere Voraussetzungen mit sich - körperlich, mental, emotional. Die Weeklys tragen diese Unterschiede in sich, ohne sie zu kommentieren.
Über die Zeit entsteht so eine Serie, die nicht retrospektiv geplant ist, sondern vorwärts gedacht ist. Sie kennt kein Ende. Kein Ziel. Sie ist Praxis und nicht Projekt. Dieser Rhythmus erdet die Arbeit. Er verhindert Überhöhung. Er zwingt zur Kontinuität. Und genau darin liegt ihre Kraft.
Oli hat sich bewusst für das Format 50 × 40 cm entschieden. Es entspricht seiner Arbeitsroutine, seinen Werkzeugen und spiegelt seine körperlichen Bewegungen vor der großen Leinwand. Es ist kein Kompromiss, sondern eine bewusste Setzung. Dieses Format ist groß genug, um physisch zu arbeiten, und klein genug, um Intimität zu erzeugen. Man steht den Bildern nahe. Man sieht Spuren. Man sieht Entscheidungen. Man sieht auch das zögern.
In Ausstellungen entfalten Sie eine eigene Wirkung. Seriell gehängt, entwickeln Sie einen Rhythmus, der den Raum strukturiert. Einzeln präsentiert, behaupten Sie sich als autonome Werke, die keine Erklärung benötigen.
Mit jeder Woche wächst ein Archiv. Nicht im musealen Sinne, sondern als lebendiges Dokument. Wer sich durch diese Arbeiten bewegt, kann Entwicklungen nachvollziehen. Verschiebungen erkennen, Brüche spüren. Dieses Archiv ist ehrlich. Es zeigt nicht nur Erfolge, sondern auch Suchbewegungen. Es zeigt einen Künstler, der sich erlaubt, nicht zu wissen. Für seine Interessenten und Sammler ist das von unschätzbaren Wert. Für Oli selbst ist es ein Spiegel.
Man sieht in ihnen keinen distanzierten Produzenten, sondern einen arbeitenden Menschen. Jemanden, der Woche für Woche zurückkehrt, um weiterzumachen. Der Zweifel nicht versteckt, sondern integriert. Diese Präsenz ist nicht sentimental. Sie ist präzise. Und sie ist selten.
Die Weeklys von Paul Olivier sind keine Nebensache. Sie sind ein stilles Zentrum. Ein Ort, an dem sich alles bündelt: Zweifel, Erfahrung, Körper, Farbe, Zeit. Wenn man Olis Arbeit verstehen will, sollte man hier beginnen.
Woche für Woche...
Olis Weeklys werden wöchentlich auf seinem Instagram Account in einer 24 Stunden Auktion versteigert. Die Weeklys sind gerahmt. Mehrwertsteuer und Versand innerhalb Deutschlands sind inbegriffen.