Paul Olivier No. 43, 44 und 45 (je 155 x 145 cm), 2025
Der Wechsel zur Malerei mit 50. War das ein Bruch?
Paul Olivier: Nein. Nach außen mag es wie ein Wechsel wirken. Tatsächlich war die Beschäftigung mit Wahrnehmung schon immer der Kern meiner Arbeit. Drei Jahrzehnte in Film und Werbung haben mir gezeigt, wie Bilder visualisiert werden und wie visuelle Spannung entsteht.
Der Schritt zur autonomen Leinwand war keine spontane Idee, sondern die Konsequenz aus der Frage: Was bleibt von einer Konstruktion, wenn man das Narrativ weglässt? In der Malerei kann ich diese Frage ohne den Umweg über die Illustration verhandeln.
Warum dieser Fokus auf das Großformat?
Paul Olivier: Der Maßstab ist für mich keine Geste. Er ist eine Arbeitsbedingung. Mit einer realitätsnahen Größe entsteht ein Bildraum, in dem ich mich körperlich bewegen kann.
Ich arbeite nicht vor einem Bild, sondern in Beziehung zu ihm. Die Bewegungen meines Körpers werden Teil des Prozesses. Dadurch entstehen Entscheidungen, die in kleineren Formaten kaum möglich wären. Die Größe dient nicht der Wirkung. Sie ist Teil der Methode.
Deine Studio-Show im Mai 2026 hast du auf der Website als „White Cub“ gelistet. Ein Tippfehler?
Paul Olivier: Kein Tippfehler. Der sterile Kunstmarkt-Raum ist der White Cube. Im Studio stand ich im Mai als White Cub – als junges Raubtier. Ich bin angetreten, um Sichtbarkeit und Relevanz herzustellen. Denn es geht jetzt darum, präsent zu sein und dem Gegenüber den Platz anzubieten, an dem Relevanz gemeinsam entsteht.
Du arbeitest fast immer an drei Leinwänden gleichzeitig. Warum?
Paul Olivier: Es ist ein simultaner Drei-Leinwand-Prozess. Er zeigt die drei unterschiedlichen Zustände, wie eine Entscheidung sich weiterentwickelt. Herkunft, Auswirkung und Verdichtung.
Diese Begriffe beschreiben keine Reihenfolge, sondern die unterschiedlichen Entwicklungen innerhalb desselben Entscheidungs-Prozesses. Wenn ich auf einer Leinwand etwas verändere, beeinflusst das unmittelbar die Setzungen auf den anderen.
Genau diese gegenseitige Abhängigkeit ist der Kern meiner Arbeit. Die Bilder entwickeln sich nicht nacheinander, sondern miteinander. Bis sie als geschlossene Einheit oder als das stärkste verbleibende Werk die finale Spannung halten.
Viele deiner Arbeiten scheinen Spuren von Sprache zu enthalten. Welche Rolle spielt Text?
Paul Olivier: Text ist der Ausgangspunkt. Meine Arbeiten beginnen mit Fragmenten meiner Gedichte. Diese Elemente sind zunächst sichtbar oder lesbar. Im weiteren Verlauf werden sie überarbeitet, überlagert oder teilweise wieder freigelegt. Die Lesbarkeit verschwindet, aber die Struktur bleibt erhalten.
Es geht um diesen Moment, in dem Sprache ihre konkrete Bedeutung verliert und trotzdem weiterwirkt.
Deine Arbeiten bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion. Wie siehst du dieses Verhältnis?
Paul Olivier: Ich beginne nie mit dem Ziel, etwas Gegenständliches zu erzeugen. Figurative Elemente entstehen meist zum Beginn des Prozesses, indem ich die Inhalte als Icons oder Figuren setze. Manchmal bleiben sie fühlbar. Nur selten partiell sichtbar. In der Regel lösen sich alle Akteure vollständig auf. Für mich geht es weniger um Eindeutigkeit als um die Frage, welche Spannung zwischen Erscheinen und Verschwinden wahrnehmbar wird.
Welche Rolle spielt Farbe in deiner Arbeit?
Paul Olivier: Farbe ist für mich kein Mittel zur Illustration. Sie strukturiert meine Arbeiten. Mit jeder Schicht entstehen neue Möglichkeiten. Beziehungen verschieben sich. Räume öffnen oder schließen sich wieder.
Deshalb empfinde ich Malerei nicht als Ausführung einer Idee, sondern als fortlaufende Verhandlung mit dem Material. Das Bild entwickelt seine Struktur Schritt für Schritt.
Wann weißt du, dass ein Bild fertig ist?
Paul Olivier: Wenn das Bild anfängt, ein Eigenleben zu entwickeln und sich meiner Entscheidungen entzieht.
Paul Olivier
Contemporary Artist | Berlin
Large-Scale Paintings & Weeklys
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